Zur Historie des Schweizer Ordonanzrades 05

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Chronik des MODELL 05

  • Dieses Fahrrad wurde von vornherein für rein militärische Zwecke entwickelt, sozusagen als Armeefahrzeug.
  • Es wurde vom Jahr 1905, deshalb auch MODELL (19) 05 genannt bis zum Jahr 1988 von 4 Firmen in der Schweiz gebaut.
  • Die militärische Geschichte des Schweizer Armeefahrrades und der dazugehörigen Radfahrtruppen begann aber schon
  • im 19ten Jahrhundert.
  • Ab 1892 wurden innerhalb der eidgenössischen Bundesarmee Radfahrabteilungen eingerichtet.
  • Eine Radfahrerschule innerhalb der Armee wurde gegründet. Sie startete mit 215 Teilnehmern.
  • Ein Jahr später (1893) wird die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung durch eine bundeseinheitliche Verordnung geregelt.
  • Bis 1904 mussten die Fahrräder für den militärischen Dienst vom einberufenen Wehrmann mitgebracht werden.
  • Der Schweizerische Bundesrat sah aber in dem Verkehrsmittel Fahrrad eine große Zukunft.
  • Zu dieser Zeit steckte die Motorisierung mit Motorrädern und Autos noch in den Kinderschuhen.
  • Im Jahre 1904 wurde folgerichtig die Einführung eines einheitlichen Militärrades beschlossen - das MODELL 05 war geboren.
  • Es wird auch TYP ORDONANZ 1905 genannt.
  • So wie es damals entwickelt wurde ging es in die Serienfertigung.
  • RAHMEN, GABEL , RADNABEN , FELGEN , BEREiFUNG , etc. blieben nahezu unverändert bis zur Produktionseinstellung im Jahre 1988.
  • Sogar die im Jahre 1905 ausschließlich verwendete WULSTBEREiFUNG blieb bis zum Produktionsende im Jahre 1988 erhalten.

 

  PRODUKTDETAILS:

  • Fahrradrahmen:
  • Das MODELL 05 (Ordonanzrad) hat eine Rahmenhöhe von 57 cm.
  • Damit ist die Länge des Sattelrohres zwischen Tretlagerachse und oberen
  • Ende des Sattelrohres gemessen. In diesem Sattelrohr befindet sich ein
  • verschiebbares Rohr an dem der Sattel angeschraubt ist.
  • In Fachkreisen pflegt man in einem solchen Fall von einem 57er Rahmen zu sprechen.

 

    Tretlager:

  • Das Tretlagergehäuse ist sehr kräftig dimensioniert und nimmt die kugelgelagerte Tretlagerwelle auf. Dieses Gehäuse muss hier physikalisch
  • betrachtet sehr viel Kraft aufnehmen und zum Hinterrad weitergeben.
  • Hier ist sozusagen die Antriebswelle des Fahrrades. Von hier aus wird die Tretbewegung des Radfahrers von oben kommend nach hinten
  • weitergeleitet über die Fahrradkette zum Hinterrad – sozusagen im rechten Winkel.
  • Unter Maximalbedingungen waren hier bis zu 160 Kg Gewicht in Vorwärtsbewegung zu bringen.
  • Die kugelgelagerte Tretlagerwelle wurde genauso wie die Vorder- und Hinterradkugellager mittels Öl- und Klappenverschluss von außen
  • mit feinem Fahrradöl geschmiert. Im Bordwerkzeug befindet sich dafür extra ein kleines Ölkännchen mit ganz feiner verschließbarer Spitze.
  • Die Kugellager selbst waren hochwertige Konuskugellager (mit Lagerringen aus Einsatzstahl in Verbindung mit Konusse aus Kugellagerstahl - gehärtet).
  • Eventuell eintretender Staub und Dreck wurde durch so genannte Staubdeckel ferngehalten (heute wären Industrielager mit integrierten
  • Simmerringen/Dichtlippen erste Wahl).

 

     VORDERGABEL:

    Die Vorderradgabel ist äußerst robust und entsprechend massiv ausgeführt.

  • Von vorne herein war sie auf das Überstehen von vielen Stürzen ausgelegt.
  • Die Kugellager des Steuerkopfes (in denen die Gabel drehbar gelagert ist) können nicht von außen geschmiert werden.
  • Sie werden bei der Montage mit Fett versehen.
  • Das komplette Fahrwerk des Militärrades hat keine angeschweißten Halter z.B. kleine Flacheisen zur Aufnahme von Befestigungsteilen,
  • wie z.B. für den Dynamo an der Vorderradgabel.
  • Zur Befestigung von Anbauteilen ( z. B. Schutzblechen) werden entweder
  • im Rahmen befindliche Gewindebohrungen oder Briden genommen. Im
  • heute gebräuchlichen deutsch würden wir die Briden als Klemmschellen
  • bezeichnen.
  • Diese Art der Befestigungstechnik hatte mehrere Vorteile.
  • Die Fertigungstechniken für den Fahrradrahmen konnten einfacher und
  • dadurch präziser gehalten werden.
  • Für jedes zusätzlich zu verschweißende Befestigungsteil hätte es zusätzlicher Arbeitsgänge und Schablonen bedurft.
  • Die Konstrukteure zu Anfang des Jahrhunderts entschieden sich grundsätzlich dazu sämtliche Anbauteile zu verschrauben.
  • Ein Beispiel soll dies stellvertretend verdeutlichen.
  • Die Schutzbleche sind bei einem Rad, das für solch harte Einsätze gebaut wurde ein ewig gefährdetes Sturzteil.
  • Im militärischen Gebrauch mussten diese Räder viele sturzähnliche Situationen aushalten – so z. B. ein plötzliches in Deckung gehen.
  • Dabei wurden die Räder in der Regel von rechts nach links abgeworfen.
  • Dabei war es nichts ungewöhnliches, dass sich die Schutzbleche verbogen.
  • Provisorisch konnten sie im Felde durch entsprechendes Zurechtbiegen gerichtet werden.
  • Die Schutzbleche waren mit Plättchen, Winkel und Briden mit dem Rahmen
  • verbunden.
  • Die Schutzblechstreben wurden an den Radachsen vorne/hinten mit befestigt.
  • Hier gab es keine gesonderte Halterung am Rahmen wie beim Nachfolge-
  • MODELL 93 .
  • Diese Art der Befestigung wird durchgehend verwendet am MODELL 05 und
  • das Rad wird damit flexibler (reparaturfreundlicher).    
  • Sattel:
  • Mittels einer im Sattelrohr verschiebbaren L – förmigen Sattelstütze konnte die
  • Sattelhöhe- und Stellung individuell angepasst werden.
  • Der Sattel selbst war dreifach gefedert .Im vorderen Teil des Sattels kam eine einzelne Drehfeder und hinten 2 Spiralfedern zum Einsatz .
  • Die Satteldecke bestand aus 5 mm dickem Kuhkernleder.
  • Dieses Kuhleder durfte auf keinen Fall vernarbt sein , wie es z. B. vorkommen kann , wenn die Kuh sich zu Lebzeiten an einem
  • Stacheldrahtzaun verletzt hat.
  • Mit einem Verstellmechanismus unter dem Sattel konnte die Satteldecke in der Spannung dem Gewicht des Fahrers angepasst werden.
  • Nummerierung:
  • Insgesamt wurden die Räder von 4, vielleicht auch 5 verschiedenen Fabriken in der Schweiz hergestellt - siehe hierzu auch das Kapitel 
  • RiTZEL – HiNTERRADKETTE .
  • Die Rahmen waren durchnummeriert. Wahrscheinlich wurden an die jeweiligen
  • Hersteller so genannte Nummernkontingente vergeben, an die sie sich strikt zu halten hatten.
  • Die Nummerierung begann im Jahr 1905 mit der Nummer 1 und endete im Jahre 1988 ungefähr mit der Nummer 68614 .Die exakt letzte Nummer
  • konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.
  • Keine Rahmennummer wurde doppelt vergeben.1989 wurde allerdings für private Zwecke nochmals eine Spezialserie von 500 Ordonnanzräder
  • produziert welche mit goldfarbenen Rahmennummern und Jahrzahlen versehen wurden ( Nummern 1-500; Jg. 1989)
  • Alle Räder des Typs Ordonnanzfahrrad – MODELL 05 tragen an der Sattelrohrmuffe oben rechts das Baujahr mit Kreuz und oben links
  • die Rahmennummer.
  • Bordwerkzeug:
  • Das Bordwerkzeug besteht aus 4 speziellen Schraubenschlüsseln aus gepressten –gestanzten Blech . Ein Vielzweckwerkzeug mit
  • eingegossenen Sechsecken in der Größe verschiedener Schlüsselweiten gehört auch dazu. In der Umgangssprache wird dieses
  • Werkzeug auch Knochen genannt, weil seine Form der eines Knochens sehr ähnelt.
  • Ein Schraubendreher ,ein verschließbares Ölkännchen aus Blech und Flick-
  • zeug in einer Blechschachtel ergänzen das Bordwerkzeug.
  • Mit diesem Werkzeug wird der Radfahrer in die Lage versetzt die unterwegs nötigen Reparaturen selbst ausführen zu können.
  • In einer Fahrradtasche aus dickem Leder, die im Rahmendreieck hinter
  • dem Sattelrohr mittels dreier Lederschlaufen an den Rahmen befestigt wird, befindet sich das Werkzeug gut geschützt.
  • Das Reparieren und die Wartung des Rades gehörte mit zur Ausbildung in der RS (Rekrutenschule).
  • Für einen technisch versierten Menschen kann das MODELL 05 leicht zerlegt und gewartet werden.
  • Dazu gehörte auch das Auseinandernehmen der Torpedo-Hinterradnabe.
  • Vorder – und Hinterradnabe:
  • Die Vorderradnabe ist äußerst kräftig dimensioniert. In ähnlicher Form fanden solche Radnaben zu Anfang des 20 ten Jahrhunderts auch
  • Verwendung bei leichten Motorrädern. Damals konnte man bei (Motor) rädern die Abstammung vom Fahrrad noch gut erkennen.
  • Im Hinterrad kam von Anfang an die patentierte Torpedofreilaufnabe von
  • F & S aus Schweinfurt zum Einsatz.
  • Auch während beider Weltkriege wurden die Hinterradnaben aus Schweinfurt geliefert.

 

  • Bremsen:
  • Am Vorderrad befindet sich eine Pneubremse.
  • Ein Handgriff aus Metall, der unter dem Fahrradlenker montiert ist und die gleiche Form wie der Fahrradlenker selbst hat, betätigt ,über eine einfache,
  • aber präzise und hochwertig ausgeführte Hebelmechanik ,eine Stange (ebenfalls aus Metall) an deren unterem Ende das Bremsgummi montiert ist.
  • Die Verzögerung wird so erreicht, das das Bremsgummi durch Druckbelastung den Lauf des Vorderrades verzögert und so seine Bremswirkung
  • entfalten soll.
  • Dieses Bremssystem war lange im Fahrradbau verbreitet aber nie so wirkungsvoll wie eine Rücktritt- oder Trommelbremse.
  • Es handelte sich eher um eine einfache und preiswerte Methode eine zweite Bremse an einem Fahrrad zu installieren.
  • Die während der langen Bauzeit des MODELL 05 aufkommenden Felgenbremsen konnten nicht umgerüstet werden, weil man an den Wulstreifen
  • festhielt und die dafür nötige Felgenform eine Installation nicht möglich machten.
  • Obwohl die Pneubremse bei Geschwindigkeiten jenseits von 10 km/h keine zufrieden stellende Bremsleistung mehr erbringt, hatte sie drei Vorteile:
  • - sie war preisgünstig und doch präzise (wie am MODELL 05) zu bauen,
  • - sie war über lange Zeit wartungsfrei 
  • - sie behinderte nicht den freien Lauf des Vorderrades, wenn das eine
  • seitliche Unwucht hatte – und das konnte im militärischen Alltag schnell vorkommen  
  • Im Hinterrad tat immer die klassische Hinterradbremse als Rücktritt ihren Dienst.
  • Bis 1944 musste die Hinterradbremse alleine das Hinterrad verzögern.
  • Bei extremen Bergabfahrten kam es bedingt durch die große Reibungshitze oft zu rot glühenden Rücktrittnaben, die sich dann auch innerlich
  • ineinander verschweißte. Das Ergebnis war ein blockierendes Hinterrad.
  • Erst die 1944 vorgestellte BÖNi-Hinterradbremse entlastete den Rücktritt nachhaltig bei Bergabfahrten.
  • Die BÖNi-Bremse war eine Trommelbremse, die in Fahrtrichtung betrachtet
  • hinten links an der Rücktrittnabe angebracht wurde.
  • Die vorher aufgetretenen Materialverschweißungen in der Rücktrittnabe gehörten der Vergangenheit an.
  • Gangschaltung:
  • Das MODELL 05 verfügte nie über eine Gangschaltung.
  • Ein Übersetzungswechsel wurde als zusätzliche Fehlerquelle angesehen und
  • kam nie serienmäßig zum Einsatz.
  • Konnten die Bergauf-Passagen (davon gibt es bekanntlich in der Schweiz reichlich) von den Soldaten fahrend nicht mehr bewältigt werden,
  • so mussten sie gemeinsam (auf Befehl) absitzen. Nun begann das Schieben oder militärisch ausgedrückt “ STOßEN“ .
  • Ritzel – Hinterradkette:
  • Die Kraft der Kette musste mittels Kettenräder (Ritzel) via Kette ans Hinterrad gebracht werden.
  • Auf dem vorderen Tretlager kam ein Kettenrad mit 48 bzw. 50 Zähnen zum Einsatz.
  • Auf der Hinterradnabe drehte sich ein Ritzel mit 19 bzw. 20 Zähnen.
  • Die Kette selbst hatte eine Teilung von 1/2 X 3/16 und bestand aus 114 Gliedern.
  • Die Fahrradketten selbst wurden von verschiedenen Herstellern zugeliefert so
  • z.B. von  WIPPERMANN   Deutschland
  • oder  RENOLD     England
  • Beim Betrachten des Rades fällt der große Durchmesser des vorderen Ritzels auf.
  • Dazu muss man wissen, dass es damals in der Zeit um 1900 herum üblich war, die Fahrräder so zu übersetzen, dass das vordere Kettenrad
  • so groß war wie beim MODELL 05 .
  • Dabei spielte mit Sicherheit auch folgender Ingenieursgedanke eine wesentliche
  • Rolle:
  • Je größer die Kettenräder desto kleiner der Knickwinkel der Kettenglieder und desto kleiner der Verschleiß der gesamten Kette.
  • Im Zusammenhang mit den Ritzeln muss unbedingt darauf hingewiesen werden,
  • dass es bei dem vorderen großen Antriebsritzel verschiedene Ornamentformen gab.
  • Genau genommen waren es 4 verschiedene Ornamente.
  • Sie stellten sozusagen die Visitenkarte des Rades dar. Ganz sicher ist, dass es 4
  • verschiedene Firmen in der Schweiz gab, die das MODELL 05 herstellten.
  • Dies waren:
  • CONDOR , COSMOS , SCHWALBE , ZESAR , und möglicherweise M F G
  • (Maschinenfabrik Gränichen)
  • Die Räder der Fa. Schwalbe zeichneten sich noch durch eine andere Besonderheit aus. An vielen sichtbaren Stellen wurden die Anbauteile
  • (z.B. Radnabe vorne, oder Bordwerkzeug) mit einem Stempel versehen, der eine stilisierte Schwalbe darstellte.
  • Wie man auf den Darstellungen sieht verwendete jede Firma ihr eigenes Ritzelornament und machte damit deutlich von welcher Firma das Rad kam.
  • Das war wahrscheinlich die einzige Freiheit, die sich die herstellenden Firmen herausnehmen konnten in dem ganzen Vorschriften- und
  • Vorgabendschungel des Pflichtenheftes rund um das MODELL 05. Die Militärs hatten einfach übersehen, das es bei dem vorderen Kettenblatt
  • auch verschieden Formen geben könnte.
  • Pedale:
  • Selbstredend waren auch die Pedale höchst sorgfältig und robust gebaut. Das fällt schon durch die Größe der Pedalgummis ins Auge.
  • Mit einer Länge von 110 mm und einem quadratischen Querschnitt von 35 X 30 mm
  • waren sie auf robusten unempfindlichen Einsatz vorbereitet.
  • Selbst die größten Knobelbecher fanden auf ihnen Halt. Im Vergleich zu normalen zivilen Fahrradpedalen waren sie überdimensioniert.
  • Die erheblich größere Bauweise erlaubte auch eine stabilere Dimensionierung der einzelnen Bauteile.
  • Insgesamt bestand alleine das Pedal aus 18 verschiedenen Einzelteilen und den Wälzlagerkugeln.
  • Im praktischen rauen Militärdienst bewährten sich die Pedale hervorragend.
  • Räder:
  • Die Räder des MODELL 05 sind mit Pneus der Größe 26 x 1 – 1/2 bestückt.
  • Die WULSTBEREiFUNG wurde bis zum Bauzeitende im Jahre 1988 beibehalten.
  • Die Wulst am inneren Radius beider Reifenseiten eingearbeitet findet sein Gegenstück in der entsprechend gepressten Stahlfelge.
  • Dort ist eine innere Ausbuchtung eingearbeitet , in die sich die Wulst des Reifens legt. Somit wird gleichzeitig erreicht, das der unter
  • dem Reifen (Decke) befindliche Luftschlauch, der dem aufgepumpten Reifen sein Volumen gibt , nie in Kontakt mit dem Felgenaußenrand
  • kommen kann. Auch kein Felgenband wird benötigt, um die Speichennippel abzudecken, weil die beiden Wulstränder diese Funktion bereits
  • schon übernehmen und den Luftschlauch komplett umfassen. Die Felgen selbst waren vierfach uni-schwarz emailliert. Mit der Zeit wurden die
  • Speichennippel mit einer gewölbten Unterlagscheibe auf der Felgeninnenseite verstärkt.
  • Schutzbleche:
  • Die Schutzbleche sind halbrund aus Stahlblech und zur Verstärkung mit um
  • laufenden Sicken versehen. Sie sind auch durch ihre Befestigungstechnik und ihre Materialdicke äußerst verwindungssteif. Der Abstand Schutzblech – Rad
  • beträgt mehrere Zentimeter damit die Radläufe sich nicht so schnell mit Dreck zusetzen.
  •                                                                                   
  • Luftpumpe:
  • So wie das ganze Rad überhaupt nicht gewöhnlich ist, so hat es auch besondere Luftpumpe.
  • Die Luftpumpe in massiver Metallausführung verfügt über einen drehbaren
  • Pumpengriff, den man nach Drehen um 90 Grad mit der ganzen Hand um-
  • fassen kann, so wie das Ende eines Spatenstiels.
  • Am anderen Ende hat die Pumpe einen ausklappbaren Metallbügel. Wenn
  • der ausgeklappt ist und der Fuß des Soldaten darauf stand, hatte die Pumpe einen sicheren Stand auf der Erde.
  • Mit einem 310 mm langen Pumpenschlauch und aufdrehbarer Messinghülse
  • als Verbindung zum Luftventil des Fahrradschlauches wurde die auf der Erde stehende Pumpe mit dem Reifen verbunden.
  • Die Luft im Metallzylinder der Pumpe selbst wurde mittels einer Lederpackung in die Pumpe hineingelassen (bei der Aufwärtsbewegung) und
  • komprimiert und in den Schlauch gepumpt (bei der Abwärtsbewegung).
  • Klingel / Glocke:
  • Normalerweise waren sie mattschwarz lackiert. War die Farbe durch heftigen Gebrauch abgestoßen, wurden die Glocken oft poliert und
  • wurden messingfarben. Bis ca. 1938 hatten die Glocken auf dem Klingeldeckel das Schweizer Kreuz in Reliefform (erhaben) eingeprägt.
  • In den Folgejahren wurde das Kreuz nur noch eingraviert, später sogar ganz weggelassen.
  • Gepäckträger:
  • Sie wurden in den verschiedensten Ausführungen hergestellt, so z.B. mit und ohne Packtaschenhalterung.
  • Die Gepäckträgerversion des mobilen Fahrradmechanikers im Felde war ganz
  • markant , mit ihren beiden kleinen Lederpacktaschen rechts und links.
  • Die Militärs schreckten bei der Bepackung vor nichts zurück. So wurden die Militärräder mit Maschinengewehr und MG – Lafetten beladen,
  • andere wiederum mit MG – Munition oder Raketenrohr (das weit über das Hinterrad hinaus ragte).
  • In dem mir vorliegenden Ersatzteilkatalog sind alleine 8 verschiedene Gepäckträger oder auch Tragegestelle abgebildet –
  • geeignet zum Transport verschiedenster Ausrüstungsgegenstände.
  • Es gab aber auch Militärräder ganz ohne Gepäckträger.
  • Lenker:
  • Das MODELL 05 verfügte grundsätzlich über 2 verschiedene Lenker auch Lenkstange genannt.
  • Bis 1942 wurde einheitlich eine hohe Lenkerform verbaut – danach eine flachere Lenkerform. Insgesamt hat der Lenker von oben
  • betrachtet eine U- förmige Form , wie ein in Schreibschrift geschriebenes W ohne Mittelstrich.
  • Mit einer Breite von 56 cm ist der Lenker eher schmal gehalten. Vom Lenker aus sind die beiden Bremsen zu bedienen.
  • Auf der linken Lenkerseite wird über einen kleinen Bremsgriff die BÖNi-BREMSE über einen vollständig gekapselten Baudenzug aktiviert.
  • Die Bedienübersetzung / Hebelweg ist gut gewählt. Die BÖNi-BREMSE lässt sich in unbeladenem Zustand gut und gefühlvoll bis zum vollständigen
  • Blockieren des Hinterrades bedienen. Auf der rechten Lenkerseite befindet sich der lange geschwungene Metallhebel für die Pneubremse vorne.
  • Hier muß wesentlich stärker zugegriffen werden um überhaupt eine spürbare Verzögerung zu erreichen.
  • Die Bremsenrückstellung der vorderen Pneubremse wird über eine Spiralfeder realisiert.Sie wurde zum besseren Schutz in dem zum
  • Bremsschuh gehörenden Bremszylinder versteckt.
  • Unter Bremsschuh versteht man den unteren Teil der Pneubremse der
  • gleichzeitig das Bremsgummi mit den Maßen 38 x 32 x 24 mm aufnimmt.
  • Vom Lenker aus wurde auch die auf der linken Lenkerseite montierte Klingel betätigt.Bis ca. 1942 hatten die Militärräder Horngriffe,
  • danach schwarze Kunststoffgriffe.
  • Beleuchtung:
  • Eine serienmäßige Beleuchtung vorne/hinten wurde erst sehr spät in die
  • Serienfertigung des MODELL 05 eingeführt, im Jahr 1986.
  • Die Firmen SiLUMA und PhOEBUS lieferten die Ausrüstung dazu. Am vorderen linken Gabelbein wurde der Dynamo angeschraubt
  • .In diese Halterung war die Lampe nebst Befestigung gleich mit integriert.                 
  • Das Rücklicht mit ALU-Gehäuse kam von der Firma INJEKTA oder REX.
  • Am Dynamo und an der vorderen Lampe befinden sich die einzigen Chromteile des Rades.
  • Ansonsten ist das gesamte Fahrrad in Schwarz gehalten .Sollte das vielleicht ein Fingerzeig der Militärs sein , das sie das Thema
  • Militärrad nicht mehr ganz so ernst nahmen zu diesem späten Zeitpunkt. Das Bauzeitende des MODELL 05 kündigte sich ja schon an.
  • Die Verlegung der elektrischen Kabel ist absolut vorbildlich gelöst
  • Das Kabel zum hinteren Rücklicht wird sauber geführt und ist im inneren Schutzblech fest genietet. Es gibt auch keine Bewegungsfreiheit
  • und somit kann das Kabel auch nicht arbeiten und scheuern.

 

  • Gewinde:
  • Bei den insgesamt am MODELL 05 verwendeten Gewinde an Schrauben
  • Muttern handelt es sich um spezielle Zollgewinde.
  • Hier merkt man, das die Entstehungszeit der Konstruktion auf den Beginn des letzten Jahrhunderts zu legen ist (um ca. 1900).
  • Damals waren die englischen Hersteller tonangebend im Fahrradbau. In der
  • Schweiz orientierte man sich damals an diesen Vorgaben.
  • So gibt es z.B. die Gewindenorm 5x28U/Zoll statt M 5 x 0,8 (metrisch).
  • Bekannterweise setzte sich auf dem Kontinent bald einheitlich die metrische Gewindenorm durch, genauso wie alle Länder auf dem
  • Kontinent das METER als Längenmaß verwendeten (seit 1872).
  • Kurioserweise wurde die Beibehaltung dieser „altmodischen Gewindenorm“ bis zum Bauzeitende im Jahre 1988 mit hohem
  • fertigungstechnischem Aufwand durchgehalten.
  • Es wäre doch viel einfacher gewesen die Schraubtechnik auf metrische Systeme umzustellen. Das hätte die Produktion verbilligt.
  • Preise:
  • Die Preise für ein Ordonnanzfahrrad waren immer „ gesalzen“ .Das war ja auch kein Wunder bei dem hohen Qualitätsstandard und
  • der überaus besten Verarbeitung.
  • Im Jahre 1926 kostete ein Ordonnanzfahrrad  340 Schweizer Franken, heute ist es für zwischen 550 Franken und 680 Franken bei ENIGMAYR, SWISS STYLE erhältlich.
  • QUELLE: SPORTPRESSEDIENST; Norbert Kilenz